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Bye, bye, Ronnie (Hommage an Gaudí) AuszugMir blieben nur noch wenige Stunden bis zum Abflug, und ich war froh darüber, dass die Reise ihrem Ende entgegen ging. Ich dachte an jenen Abend zurück, an dem ich das Ticket aus dem hellgrünen Umschlag gezogen hatte. Und noch ehe ich die fettgedruckten Buchstaben in der Mitte zu einem Wort zusammengesetzt hatte, ahnte ich es bereits. Ausgerechnet Barcelona, dachte ich und einen Augenblick lang war ich wirklich versucht, die Karte in die Flamme der Kerze zu halten, aber dann drehte ich mich zu ihnen um und es gelang mir sogar, einigermaßen überzeugend zu lächeln. Ich sah ihre erwartungsvollen Gesichter und suchte nach Worten, die den Mangel an Freude über das großzügige Geschenk wettmachen könnten. Während ich verlegen und schweigend dastand, spürte ich, wie sich ein Knoten in meinem Magen bildete, und am liebsten wäre ich auf die Toilette gerannt, um ihn auszukotzen. Aber ich lächelte weiter, ich riss mich zusammen. Natürlich dachten sie, dass meine Reaktion irgendwie mit der Trennung von Ronnie zusammen hing, und nachdem sie sich ein paar vielsagende Blicke zugeworfen hatten, redeten sie alle gleichzeitig auf mich ein, als ob man auch diesem Problem mit Worten beikommen könnte. Ich suchte nach Ausreden, um sie von ihren Reiseplänen abzubringen, aber sie ließen nichts gelten. Nicht einmal die Arbeit konnte ich diesmal vorschieben. Ich wusste, dass sie es gut mit mir meinten, und war sogar ein bisschen gerührt von der Selbstlosigkeit, mit der sie von den Sehenswürdigkeiten und vom Hotel mitten in der City schwärmten. Sie konnten nicht wissen, dass es gerade diese Stadt war, an die ich mich nicht erinnern wollte. Und so schwieg ich weiter und lächelte und hoffte, sie würden die Sache irgendwann auf sich beruhen lassen. Tatsächlich wechselten sie kurz darauf das Thema, als hätten sie erneut eine übereinkunft getroffen. Aber ich wusste, dass die Sache damit noch lange nicht erledigt war. Sie hatten mir allenfalls einen Aufschub gewährt. Nachdem sie endlich gegangen waren, fühlte ich völlig erschöpft und wollte den Umschlag gleich in der untersten Schreibtischschublade versenken. Aber dann überkam mich doch Neugierde und fast gegen meinen Willen musste ich das Ticket noch einmal berühren, wie um mich zu versichern, dass es tatsächlich existierte. Da stand wirklich mein Name und gleich daneben der Name der Stadt, und zur Sicherheit sprach ich die drei Worte laut vor mich hin, in einem Atemzug, um jeden Irrtum auszuschließen. Diesmal bekam ich kein Herzklopfen, und auch mein Magen krampfte sich nicht zusammen, wie noch ein paar Stunden zuvor. Alles in mir blieb still, so still, dass es mir beinahe unheimlich war. Und je länger ich darüber nachdachte, umso mehr schwand meine Abneigung gegen die Stadt am Meer. Als es ein paar Wochen später darum ging, einen Termin festzulegen, wehrte mich nicht länger gegen die Reise. Vielleicht hatte ich auch einfach keine Kraft mehr dafür, mich gegen irgend etwas zu wehren. Gleich nach meiner Ankunft stellte ich erleichtert fest, dass beinahe nichts mehr an damals erinnerte. Alles war mir fremd geworden. Die meisten Fassaden waren in der Zwischenzeit renoviert worden, vor vielen Gebäuden hingen grüne Netze über Gerüsten, und direkt gegenüber dem Hotel spannte sich ein riesiges Werbeposter aus Plastik, auf dem das herrschaftliche Gebäude abgebildet war, das dahinter in seinem alten Glanz wieder neu entstehen sollte. An einem Ort, an dem sich sogar die Häuser verkleideten, fiel es mir leicht, Touristin zu spielen. Ich tat so, als ginge ich zum ersten Mal durch die Straßen dieser Stadt, als sei alles, was ich damals gesehen und gehört hatte, eine ferne Erinnerung, die gar nicht zu mir, sondern einer Fremden gehörte. |
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