Barcelona, amor meu

Exposé

Bye, bye, Ronnie
(Hommage an Gaudí)

Barcelona Erotik

Das Fest der Mercè

Der alte Mann,
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Pollo Rico

Emilio

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Barcelona, amor meu

Katalanisches

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Von der Lust, den Seifenblasen zu folgen

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Emilio (Auszug)

Nach dem Spanischunterricht bei Cipriana in der Tarantana-Straße ging ich meistens noch auf einen Kaffee im Joanet vorbei. Obwohl es von ihr aus nur ein paar Schritte waren, kam Cipriana nie mit. Sie hätte sich nicht einmal die Hausschuhe ausziehen müssen, so nah war es. Immer, wenn ich sie fragte, ob sie nicht auf einen Sprung mit runter kommen wolle, schüttelte sie lächelnd den Kopf. Vielleicht mochte sie das Joanet und die Leute nicht, die dort rumhingen. Oder es war ihr peinlich, von mir eingeladen zu werden. Die Bar hatte wirklich nichts besonderes an sich, aber ich mochte die Wandverkleidung aus dunklem Holz, den fleckigen Spiegel über der Theke und den vergilbten Deckenanstrich. Vormittags fiel die Sonne durch die breite Fensterfront und tauchte die ganze Bar in weiches Licht, das mit Zigarettenrauch, Kaffeegeruch und unzähligen Staubpartikeln angefüllt war. Bevor ich das Joanet betrat, kaufte ich die El País am Kiosk nebenan. Dann setzte ich mich an einen der Marmortische. An der Garderobe vom Joanet hingen der Periodico und manchmal auch die Vanguardia am Haken, und dann gab es auch noch eine Sportzeitung, die immer auf dem Tresen herumlag und der man ansah, dass sie schnell durch viele Hände gegangen war. Aber alle, die ich kannte, lasen El País und deshalb kaufte ich eben auch El País. Mit Hilfe eines Wörterbuchs übersetzte ich Wort für Wort. Wenn ich genug hatte von den Nachrichten und meinen Kaffee ausgetrunken hatte, klappte ich die Zeitung zusammen und beobachtete die Menschen um mich herum. Eines Tages fiel mir ein alter Mann auf, der kurz nach mir die Bar betrat. Wie die meisten alten Männer in diesem Viertel trug auch er eine Baskenmütze. Was ihn jedoch von den anderen Alten im Joanet unterschied, war das schwarz-rote Halstuch, das weithin leuchtete und ziemlich neu aussah. Der Rest seiner Kleidung war sauber, aber abgetragen und farblos. Quer über seiner Brust spannte eine prall gefüllte Umhängetasche aus verschlissenem, blauem Stoff. Die Tasche sah selbstgenäht aus. Einmal, als er an mir vorbeiging streifte er mich damit und ich meinte, Papier rascheln zu hören. Vielleicht war es dieses Geräusch, das mich neugierig machte. Obwohl der Alte noch recht gut zu Fuß schien, trug er einen Stock mit sich, den er gegen die Tischkante lehnte, sobald er sich gesetzt hatte. Ich glaube, er saß immer am selben Tisch, auf demselben Stuhl und in der selben Ecke, von der aus man sowohl die Tür als auch das Geschehen in der Kneipe überblicken konnte. Mir fiel auf, dass er nicht grüßte, wenn er die Bar betrat. Er spielte auch nicht mit den anderen Männern Domino, und nie sah ich ihn ein Glas tinto mit jemandem trinken. Die seltsame Tasche legte er auch im Sitzen nicht ab, sondern schob sie nur ein Stückchen zur Seite, damit sie nicht mit dem Tisch ins Gehege kam. Immer wartete ich darauf, dass er einmal etwas daraus hervorholen würde, aber der Mann saß bloß die ganze Zeit über steif und mit unbeweglichem Gesichtsausdruck auf seinem Stuhl und schaute in Richtung Tür, als erwarte er jemanden. Doch so oft die Tür auch geöffnet wurde, die Person, deren Anblick eine Veränderung seines Gesichtsausdrucks hätte auslösen können, war offenbar nicht darunter.

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