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Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus (Auszug)Eigentlich war ich auf der Durchreise nach Alicante gewesen. Aber dann blieb ich doch wieder in Barcelona hängen. Auch diesmal hatte ich in kürzester Zeit die alten Freunde aus den Augen verloren, lernte aber schnell neue Leute kennen. An jenem Mittag, von dem hier die Rede ist, war das Restaurant brechend voll. Wir holten uns einfach zwei Tische vom Café gegenüber, schoben sie zusammen und setzten uns unter die Arkade. Als die Vorspeise kam, gab es einen gewaltigen Knall ganz in der Nähe. Schlagartig wurde es still, eine Gabel fiel klirrend zu Boden, im Lokal schrie eine Frau auf. Ich dachte zuerst an eine Gasexplosion, davon las man immerzu in den Zeitungen. Quim, der nur zufällig mit bei uns mit am Tisch saß, sagte, wer weiß, vielleicht ein Anschlag. Ich schaute ihn irritiert an. Erst später dachte ich an das Bombenattentat vom Juni. Olga, die so schön war und viel zu selten neben mir saß, hob kurz den Blick und ich bemerkte, dass sie unter ihrer olivfarbenen Haut blass geworden war. Ach was, sagte sie dann, aber ihre Stimme klang anders als sonst, wenig überzeugend, und ihre Augen hatten etwas Panisches. Ich spürte, dass sie trotz der Wärme zitterte. Die feinen schwarzen Härchen auf ihren Armen hatten sich aufgestellt, und das beunruhigte mich mehr als alle Worte, die in diesem Moment unausgesprochen blieben. Inzwischen häuften sich kleine, ockergelbe Bröckchen auf meinem Salat, die vom Deckengewölbe herunterrieselten und wie vertrockneter Cheddarkäse aussahen. Niemand sagte etwas, aber über den Tisch hinweg warfen sie sich seltsame Blicke zu, und ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Mein Mund war ausgetrocknet und meine Hände umklammerten die Stuhllehne. Das Wasser in meinem Glas schlug kleine Wellen. Dann krachte es wieder, diesmal ganz schnell nacheinander, eins, zwei, drei, zählte ich und suchte den Himmel nach Rauchwolken und anderen sichtbaren Zeichen einer möglichen Zerstörung ab. Ich spürte, wie sich die Vibrationen durch Mauern und über das Pflaster ausbreiteten, bevor sie sich auf meinen Stuhl übertrugen. Nach jeder Detonation blieb das Echo eine Weile zwischen den Häusern hängen, bevor es verebbte. Zum ersten Mal in meinem Leben war der Unterschied zwischen Ursache und Wirkung nebensächlich geworden. Es gab nur noch das Warten auf den nächsten Knall. Dann ebbte der Lärm ab. Aber irgendwie spürten wir, dass es noch nicht zu Ende war. |
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