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VorübergehendBarcelona ist jeden Tag anders. Sie legen sich nichtsahnend ins Bett. Wenn sie morgens auf den Balkon treten, ist das Haus gegenüber verschwunden oder es ist noch da, aber von einer Plane verhüllt. Wenn Sie Glück haben, ist es nur ein just do it Nike Plastikfummel, die Sie dazu animiert, Ihr Fitnessstudio-Abo häufiger zu nutzen. Oder nicht Nike, doch dann haben sie ein Jahr oder so JB Whiskywerbung vor der Nase, und das, wo Sie sich gerade geschworen haben, etwas kürzer zu treten mit dem Alkohol. Und eigentlich sind Sie auch wegen der Fassade gegenüber erst vor drei Monaten in diese Wohnung eingezogen. Sie nehmen sich fest vor, Freitag endlich in die abgefahrene Bar im Eixample zu gehen, die Ihnen Ihr Friseur beim letzten Mal empfohlen hat. Aber dann stellt sich heraus, dass dort gerade ein Starbucks oder ein Pizza Hut eröffnet wurde, und wenn Sie ganz großes Pech haben, auch ein Schlecker Drogeriemarkt. Da stehen Sie dann und sind blamiert und Ihre Freunde aus Deutschland grinsen schadenfroh. Dem Friseur können Sie das aber nicht zum Vorwurf machen, der ist gerade nach London gezogen, weil ihm Barcelona zu langweilig wurde. Das erzählt Ihnen der Neue, der kommt aus Buenos Aires und schneidet ganz passabel. Aber auch er bleibt nicht lange, obwohl er hier alles und jeden ziemlich cool findet. Eine neue Liebe entführt ihn nach Granada, und einer aus München übernimmt seine Stelle. Clubs und Menschen und sogar Häuser scheinen hier ein aufregendes Leben zu führen. Bleibt hier denn nichts und niemand einmal ein paar Tage lang an Ort und Stelle? Hat sich alles gegen Sie verschworen? Vielleicht beginnen Sie bereits an einen Ortswechsel zu denken. Aber gerade, als sie sich mit dem Gedanken angefreundet haben, wird auf einmal alles anders. Samstag Morgen. Sie laufen noch immer etwas deprimiert durch Gracia und finden auf Anhieb einen freien Tisch in der Virreina-Bar. Ein Politiker, den Sie aus dem Fernsehen kennen, schlendert lächelnd an Ihnen vorbei und hebt kurz die Hand. Im Verdi-Kino läuft der neue Chabrol, lesen Sie in der Zeitung und am Tisch nebenan dreht sich eine Frau mit Dreadlocks einen Joint. Weißt Du, wie spät es ist, fragt sie auf Katalanisch und beugt sich zu Ihnen rüber, und Sie werden rot und zeigen Ihr uhrloses Handgelenk vor und auf einmal wünschen Sie sich, dass dieser Augenblick ewig dauert und dass Sie Ihnen einen Zug anbietet. Es ist das erste Mal, dass jemand Sie in der Sprache der Einheimischen anspricht, aber das fällt Ihnen erst später auf, wenn Sie schon ein bisschen schweben. Vielleicht sollte ich noch eine Weile hier bleiben, denken Sie da. Vielleicht sind Worte das einzige, das Bestand hat in dieser Stadt, die Menschen und Gebäude verschluckt wie Treibsand und sie an einer Stelle wieder ausspuckt, die Ihren Augen nach wie vor verborgen bleibt. |
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